Resolution Offener Brief des Kurdischen Studierendennetzwerks Düsseldorf, dem AStA und Studierendenparlament der HHU

Info
Das Studierendenparlament hat am 09.02.2026 gemäß der Satzung der Studierendenschaft
und den Regelungen seiner Geschäftsordnung folgenden Text beschlossen.
Beschluss des Studierendenparlament

Offener Brief des Kurdischen Studierendennetzwerks Düsseldorf
gemeinsam mit dem AStA und dem Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf versteht sich als Ort von Bildung, Solidarität und internationaler Verantwortung. Vor diesem Hintergrund wenden wir uns gemeinsam als Kurdisches Studierendennetzwerk und StuPa mit großer Sorge an die Hochschulöffentlichkeit.

Die aktuelle Lage in Rojava sowie in Rojhelat* ist geprägt von massiver Gewalt, systematischer Repression und schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen. In Rojava kommt es derzeit zu Angriffen durch das syrische Regime und mit ihm verbündete jihadistische Milizen. Dabei werden gezielt Zivilist:innen angegriffen, es kommt zu Hinrichtungen, Enthauptungen und weiteren Kriegsverbrechen. Nachweislich sind auch IS-Terroristen an diesen Angriffen beteiligt. Die Bevölkerung in Rojava, hatte den IS zuvor unter enormem Blutzoll territorial in Syrien besiegt und damit einen entscheidenden Beitrag zur regionalen und internationalen Sicherheit geleistet.

Mehrere kurdische Städte im Norden Syriens sind aktuell belagert, die humanitäre Versorgung ist weitgehend zusammengebrochen, und es droht eine akute humanitäre Katastrophe. Ebenso sind das drusische Gebiet Suwayda, das alawitisch besiedelte Küstengebiet sowie die christliche Bevölkerung von Massakern betroffen. Auch Bildungseinrichtungen sind unmittelbar betroffen: Universitäten und Hochschulen, etwa in Kobanê und Qamişlo, können ihren Lehrbetrieb gar nicht aufrechterhalten. Studierende vor Ort sind gezwungen, ihr Studium zu unterbrechen, da Bombardierungen, Belagerungen und Unsicherheit einen geregelten Universitätsalltag unmöglich machen. Bildung, die ein zentrales Element von Selbstbestimmung und Zukunft darstellt, wird gezielt zerstört.

Auch in Rojhelat ist die Situation gravierend. Das iranische Regime geht mit extremer Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vor. In den vergangenen Wochen wurden zehntausende Menschen, darunter auch Studierende, ermordet, insbesondere im Zuge von Protesten. Massive Repression, gezielte Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten sowie Internetabschaltungen, was einen beinahe kompletten Kommunikations- sowie Informationsstop zur Folge hat, verhindern, dass das volle Ausmaß der Verbrechen international sichtbar wird. Kurd:innen gehören zu den besonders betroffenen Gruppen.

Für viele kurdische Studierende ist die HHU ein Ort des Studiums geworden, nachdem sie selbst vor Krieg, politischer Verfolgung und Repression fliehen mussten. Zahlreiche Studierende haben Familie in Rojava oder Rojhelat und leben aktuell in ständiger Angst um das Leben und die Sicherheit ihrer Angehörigen. Diese Sorgen enden nicht an den Grenzen Deutschlands, sondern prägen den Alltag, das Sicherheitsgefühl und die Studierfähigkeit der Studierenden auch hier auf dem Campus.

Gleichzeitig beobachten wir mit großer Besorgnis, dass es auch an deutschen Hochschulen und leider auch an der HHU vermehrt zu Anfeindungen gegen Kurd:innen kommt. Uns liegen Berichte kurdischer Studierender vor, die von feindseligen Handlungen, Einschüchterungsversuchen und verbalen Angriffen durch Kommiliton:innen berichten. In einigen Fällen wird das brutale Vorgehen des syrischen Regimes relativiert oder offen gerechtfertigt. Die Relativierung von Kriegsverbrechen und Gewalt gegen die kurdische Zivilbevölkerung hat an einer Universität keinen Platz.

Diese Vorfälle führen dazu, dass sich betroffene Studierende auf dem Campus zunehmend unsicher fühlen und sich aus Angst vor weiteren Anfeindungen zurückziehen. Antikurdischer Rassismus ist real, auch im Hochschulkontext. Entsprechende Fälle haben wir an die Informationsstelle Antikurdischer Rassismus (IAKR) weitergeleitet, die diese bundesweit dokumentiert.

Wir fordern daher ein klares, öffentliches und solidarisches Handeln. Es braucht eine deutliche Positionierung gegen antikurdischen Rassismus, gegen die Relativierung von Gewaltverbrechen und gegen jede Form von Einschüchterung und Diskriminierung auf dem Campus. Die Heinrich-Heine-Universität muss ein sicherer Raum für alle Studierenden bleiben, unabhängig von Herkunft und Religion.
Wir stehen für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung und erwarten, dass die geschilderten Sorgen ernst genommen und entsprechende Maßnahmen geprüft und eingeleitet werden.

*Rojava bezeichnet das kurdische Siedlungsgebiet im Norden Syriens. Rojhelat bezeichnet das kurdische Siedlungsgebiet im Westen Irans.